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Fair Trade Klamotten mit Aussage

Social Accountability International Drucken

Der SA8000-Standard der SAI richtet sich inhaltlich im Wesentlichen an den von der ILO gesetzten Kriterien aus. Am Aufbau und den Begrifflichkeiten lässt sich bereits erkennen, dass dieses Label sich an große Unternehmen richtet. Das ist aus unserer Sicht keinesfalls schlecht: Wenn sich die Lebensumstände der ArbeiterInnen des globalen Südens spürbar verändern sollen, dann muss man einfach auch entsprechende Stückzahlen an Fair Trade Klamotten produzieren.

Zu den Details:

Kinderarbeit:

In SA8000-zertifizierten Unternehmen dürfen keine Personen arbeiten, die jünger als 15 sind. Die Altersspanne von 15 bis 18 ist grundsätzlich erlaubt. Wenn es im Land jedoch Schulpflicht für dieses Alter gibt, dann müssen die Arbeitszeiten außerhalb der Schulzeiten liegen.

Die maximale tägliche Arbeitszeit für Jugendliche darf inkl. Kernarbeitszeit, Schulunterricht und der Wegezeit 10 Stunden täglich nicht überschreiten, die Kernzarbeitszeit darf 8 Stunden täglich nicht überschreiten. Nachtschichten sind nicht erlaubt.

Für alle Personen unter 18 darf es keine in irgendeiner Form gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen geben.

Koalitionsfreiheit:

Alle ArbeiterInnen können frei koalieren (d.h. Gewerkschaften gründen, Tarifverträge abschließen usw.), das darf in keiner Form sanktioniert werden, auch nicht für die VertreterInnen der ArbeiterInnen. Falls die lokalen Gesetze die Koalitionsfreiheit einschränken, dann muss das Unternehmen den ArbeiterInnen erlauben, Repräsentantinnen zu wählen, die sie in Verhandlungen vertreten können. Das Unternehmen muss die ArbeiterInnen über ihre Rechte aktiv informieren. [-> härter als FWF]

 

Löhne:

Die gezahlten Löhne müssen mindestens dem entsprechen, was in der Branche üblich ist, und für die Befriediegung Grundbedürfnisse der ArbeiterInnen und ihrer Familien ausreichend sein, sowie etwas frei verfügbares Einkommen enthalten (d.h. nach  der Bezahlung des Lebensnotwendigen ist noch Geld übrig.).

Lohnabzüge beispielsweise als Strafmaßnahme oder in anderer, nicht vom Gesetz gedeckter Form sind verboten. Ausnahmen sind nur unter zwei Bedingungen erlaubt [schlechter als FWF]:

  1. Das Gesetz erlaubt es
  2. Es existiert eine ArbeitnehmerInnen-Vertretung (=Gewerkschaft).

Auch, wenn diese Bedingungen gegeben sind, dürfen die Lohnabzüge das Einkommen nicht unter Mindestlohn drücken.

Die ArbeiterInnen müssen im Vornherein über Löhne, den regelmäßigen Zahltag usw. informiert werden.

Es gibt noch weitere Details, insgesamt hinterlässt das Dokument den Eindruck einer präziseren Regelung als bei der Fair Wear Foundation.

Arbeitszeiten:

Die Arbeitszeiten müssen mindestens den gesetzlichen Regelungen und den branchenüblichen Zeiten entsprechen.Die normale Arbeitszeit ohne Überstunden soll dem Gesetz entsprechen, darf aber nicht höher als 48h/Woche sein (das ist übrigens auch in Deutschland die Obergrenze). Mindestens ein Tag in der Woche muss frei sein. Ausnahmen sind auch hier erlaubt, aber wieder nur unter den beiden Bedingungen erstens eines entsprechenden Gesetzeslage und zweitens der Existenz einer Gewerkschaft.

Überstunden müssen extra vergütet werden. Sie müssen ebenfalls freiwillig sein, nicht regelmäßig anfallen, und dürfen 12 Stunden in der Woche nicht überschreiten. Falls aus betrieblichen Gründen Überstunden gefordert werden und ein "signifikanter Anteil" der ArbeiterInnen organisiert ist, dann muss das Unternehmen sich an die entsprechenden Tarifvereinbahrungen halten.

Überprüfung der Einhaltung:

Die Überprüfung der Kriterien erfolgt im Rahmen eines "multi-stakeholder assessments" - das ist gut. Multi-Stakeholder bedeutet immer, dass alle relevanten Organisationen bei der Überprüfung eine Rolle spielen, also inklusive Gewerkschaften oder anderen ArbeiterInnen-Vertretungen und der NGO, die das Label vergibt. Das Beteiligtsein der Gewerkschaften verringert m.E. das Risiko von Korruption bei der Zertifikatsvergabe.

Bei SA8000 gilt es noch zu beachten, dass unter diesem Namen drei Stufen existieren, von denen nur die höchste, der "Signatory Level", Relevanz hat. Alle anderen müssen als reine Werbelabels ohne praktische Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewertet werden. Quelle: http://www.sa-intl.org

Quelle für die meisten Details: http://www.sa-intl.org/_data/n_0001/resources/live/2008StdEnglishFinal.pdf

 

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