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Fair Trade Klamotten mit Aussage

Fairtrade Labelling Organization Drucken

Die FLO hat eine Vielzahl von Standards, deren Inhalte abhängig vom jeweiligen Land und der verkauften Ware sind. Unter dieser Vielzahl von Vertragswerken lassen sich allerdings auch einige regionenunabhängige finden, namentlich die "Generic producer standards", d.h. landesunabhängig geltenden Kriterien. Hier wird zwischen als Kooperative organisiertem Klein- und Kleinstunternehmertum und Lohnarbeit ("hired labour") in größeren Betrieben unterschieden. Da wir keine Fans dieses Entwicklungsländer-Kleinstunternehmertums1 sind, wird sich hier auf die Kriterien zur Lohnarbeit beschränkt ("generic producer standards for hired labour").

Kinderarbeit:

Nach spätestes einem Jahr nach Zertifizierung muss für die Kinder der ArbeiterInnen Zugang zum Schulsystem ("primary education") gewährleistet sein. [Punkt für FLO]

Personen unter 15 dürfen generell nicht angestellt sein. Es dürfen nach der ersten Zertifizierung keine weiteren neuen Kinder eingestellt werden (mangels Definition im Standard vermute ich hier die übliche westliche Definition: "Kind" bedeutet jünger als 18).

Das Angestelltenverhältnis darf die schulische Ausbildung nicht beeinträchtigen.

In irgendeiner Form gefährliche Arbeiten dürfen nur von Erwachenen ausgeführt werden.

Koalitionsfreiheit:

Die Geschäftsführung anerkennt das Recht der ArbeiterInnen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Die ArbeiterInnen dürfen nicht für ihre Gewerkschaftsarbeit diskriminiert werden. Gewerkschaften aus der Branche dürfen sich mit den ArbeiterInnen treffen, um gemeinsam Kriterien für Tarifverträge auszuhandeln. Wenn es aktuell keine richtige Gewerkschaft, dann dürfen die ArbeiterInnen Räte gründen, um stellvertretend mit der Geschäftsführung in Verhandlung zu treten. Wenn es in der Branche einen Tarifvertrag gibt, muss die Firma diesen innerhalb eines Jahres unterschreiben. [mehr Bedingungen als bei SA8000 und FWF]

 

Löhne:

Die im Unternehmen gezahlten Löhne müssen dem Tarifvertrag, dem branchenüblichen Lohn oder mindestens dem regionalen Mindestlohn entsprechen. Die Bezahlung muss regelmäßig und dokumentiert stattfinden.

Lohnabzüge sind nur erlaubt, wenn das nationale Gesetz oder der Tarifvertrag dies vorsieht, oder wenn der/die Angestellte seine/ihre schriftliche Bestätigung gibt [letzteres ist schlecht, weil eine Unterschrift leicht erzwungen werden kann - schwächer als FWF und SA8000]

Löhne müssen schrittweise angehoben werden, bis die ArbeiterInnen davon gut leben können ("living wage"). Nicht-Fest-Angestellte bekommen denselben Lohn wie fest Angestellte. [beides besser]

Arbeitszeiten:

Zwangsarbeit in jeglicher Form ist verboten.

Die regelmäßige Wochenarbeitszeit darf 48 Stunden nicht überschreiten. Im Regelfall muss es alle 7 Tage eine Pause von  mindestens 24 Stunden am Stück geben. Überstunden sind freiwillig und dürfen, Ausnahmen ausgenommen, 12 Wochenstunden nicht überschreiten. Überstunden werden extra vergütet.

Jede übliche Arbeit wird von Fest-Angestellten ausgeführt  [gut, gibts bei  SA8000 und FWF nicht].

Mutterschutz muss nach spätestens einem Jahr 12 Wochen lang sein [gut].

Überprüfung der Einhaltung:

Die Zertifizierung übernimmt laut dieser Quelle die deutsche FLO-Cert GmbH.Sie führt ebenfalls Nach-Zertifizierungen und weitere Inspektionen durch. Es handelt sich nicht um eine gemeinsame Multi-Stakeholder-Organisation, d.h., dass Oganisationen wie Gewerkschaften oder Räte der ArbeiterInnen nicht beteiligt sind. [Hier hat die SAI die Nase vorn.]

Besonderheiten bei der FLO:

  • toll: zusätzlich deutlicher Schwerpunkt auf Anti-Diskriminierungs-Kriterien, inkl. Disziplinarmaßnahmen und sexueller Belästigung
    • weniger toll: bei Fällen sexueller Belästigung wird fast nur an Frauen gedacht (z.B. sollen ausschließlich Frauen-Kommitees eingerichtet werden, die sich darum kümmern).
  • Unterscheidung zwischen Fairtrade-Minimum-Preis und Fairtrade-Premium
    • Fairtrade-Minimum-Preis-Gewinne müssen in die "soziale und ökonomische Entwicklung der ArbeiterInnen" gehen. Dies entspricht also den üblichen, bei Fair Trade Klamotten erhöhten Löhnen, die die anderen Labels auch absichern.
    • Fairtrade Premium: "This Fairtrade Premium is to be used for improvement of the socio-economic situation of the workers, their families and communities. Workers and management decide jointly about the use of the premium."
    • Ein Rat ("Joint Body"), denen Repräsentanten der Arbeiterschaft und der Geschäftsführung angehören, entscheidet über die Nutzung des Premiums. Die Verwendung muss allen ArbeiterInnen zugute kommen.
  • detaillierte Kriterien zur umweltverträglichen Produktion, gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht produziert werden.

Fußnoten

1) Zwar ist die Organisationsform Kooperative aufgrund ihres beiteiligungsorientierten Ansatzes toll und an sich fördernswert, kritikwürdig ist m.M.n. die Festlegung der Menschen in Entwicklungsländern auf das "natürliche" kleinbäuerliche Dasein. Die entwickelten Länder haben Großstrukturen wie Firmen ja nicht aus Lust an der Sache erfunden, sondern weil sie effizienter sind, d.h. für die Gesellschaft mehr Lebensqualität bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand ermöglichen. Dadurch, dass die FLO primär kleinbäuerliche Strukturen fördert, fördert sie auch eine unterentwickelte Gesellschaft ohne hinreichende Arbeitsteilung z.B. für ein ordentliches Krankenversicherungssystem o.ä.

Quelle: http://www.fairtrade.net/ und eine Menge Unterseiten.


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